Vergebung, Wiedergutmachung, Versöhnung
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Als Christ bittet man Gott, dem zu vergeben, der einen verletzt hat, auch, wenn dieser gar nicht einsieht, dass er Vergebung nötig hat. Indem wir Gott bitten, anderen zu vergeben, obwohl diese möglicherweise meinen, gar keine Vergebung zu benötigen, folgen wir Jesus nach. Als er am Kreuz hing und schrie "Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!", da vergab nicht Jesus (als Mensch; Jesus war ganz Mensch und ganz Gott; als er dieses Gebet zu Gott, Seinem Vater, sprach, da war er ganz Mensch) Seinen Peinigern, sondern Er bat Gott ihnen zu vergeben. Er betete zu Seinem Vater, dass Er ihnen ihr mörderisches Handeln nicht zurechnen möge. Jesus konnte ihnen als Mensch keine Vergebung zusprechen, da sie keine verlangten - seine Mörder hatten mit hoher Wahrscheinlichkeit in keiner Weise ein Unrechtsbewusstsein. Somit konnten sie Jesus Christus nicht um Vergebung bitten. Voraussetzung für die Vergebung ist jedoch, dass der Schuldige seine Schuld erkennt und reumütig eingesteht, sowohl vor Gott als auch vor den Menschen. Geschieht dies, aus welchen Gründen auch immer, nicht, so können wir als Christen nur Gott bitten, dem anderen zu vergeben, wir selbst können es dem Schuldigen nicht zusprechen, denn er verlangt es nicht und hat keine Einsicht in seine Schuld. Wir können dem Schuldigen seine Schuld jedoch auch nicht zurechnen, denn Jesus Christus ist für genau diese Schuld am Kreuz gestorben - es ist unser Auftrag, die Schuld des anderen auf Jesus zu legen, dem allein das Recht des Gerichts zusteht. Gott hat in der ganzen Bibel immer wieder klar gemacht, dass Seine Vergebung für uns gerne gewährt wird, wenn wir uns Ihm zuwenden, das, was wir ohne Seine Zustimmung getan haben reumütig bekennen und um Vergebung bitten - dann wird Vergebung von Gott gewährt, denn Jesus Christus hat unsere Strafe am Kreuz auf sich genommen. Wer jedoch keine Buße tut, nicht umkehrt, kein Unrechtsbewusstsein hat, dem vergibt Gott auch nicht.
Oftmals ist es - auch bei eingestandener Schuld - nicht einfach Vergebung zu üben, da man verletzt ist oder unverhofft mit einer vorher nicht durchdachten Situation konfrontiert wurde. Vergebung und Wiedergutmachung - Einem Menschen oder einer Gemeinschaft gegenüber die Schuld zu bekennen, ist eine Form von Wiedergutmachung.
Was sagt die Bibel?
1. Altes Testament
Im Alten Testament wurde die Wiedergutmachung durch Gesetze geregelt. Diese sind für uns heute zwar nicht mehr als Gesetze gültig wie damals für das Volk Israel, aber sie sagen doch viel darüber aus, wie Gott dieses Thema sieht: Zu einer echten Buße vor Gott gehört die Reue über die Sünde und die Wiedergutmachung gegenüber den geschädigten Menschen, soweit dies sinnvoll und möglich ist:
Wenn einer auf solche Weise sündigt, muß er alles zurückgeben: was er geraubt oder durch Erpressung gewonnen hat, was ihm anvertraut wurde, was er gefunden hat.
3.Mose 5,23
Er soll sein Vergehen zugeben und alles zurückerstatten, was er dem anderen schuldet, ja, sogar noch ein Fünftel des Wertes hinzufügen. Wenn der Geschädigte aber inzwischen gestorben ist und keine Erben hat, die sein Eigentum an seiner Stelle zurücknehmen können, fällt es mir, dem Herrn, zu. Es soll den Priestern gehören, so wie der Schafbock, den der Priester für den Schuldigen opfern muß, damit ich seine Sünde vergebe.
4.Mose 5,7-8
2. Neues Testament
Im Neuen Testament gibt es keine Gesetze über Wiedergutmachung, aber es gibt Vorbilder und Prinzipien:
Zachäus aber trat vor den Herrn und sprach: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück.
Lukas 19,8
Jesus hatte das nicht von Zachäus gefordert, aber dieser hatte das Bedürfnis, wieder gutzumachen, was möglich ist - nicht um sich die Gunst Jesu zu verdienen, sondern als Reaktion auf die unverdiente Gunst, die Jesus ihm gezeigt hatte. Wer sich von Gott angenommen und seine Schuld vergeben weiß, der möchte sich mit Menschen versöhnen, denen er Unrecht getan hat.
Wenn du während des Gottesdienstes ein Opfer bringen willst und dir fällt plötzlich ein, daß dein Bruder etwas gegen dich hat, dann laß dein Opfer liegen, gehe zu deinem Bruder und versöhne dich mit ihm. Erst danach bringe Gott dein Opfer.
Matthäus 5,23-24
Wenn ein anderer Christ etwas gegen mich hat - in dem Sinn, daß ich ihm Unrecht getan habe, z.B. indem ich ihn beschimpft habe - dann soll ich umgehend Versöhnung suchen. Jesus sagt nicht, was genau zur Versöhnung notwendig ist. Das ist sehr situationspezifisch. Wichtig ist, daß das Ziel klar ist: Versöhnung.
Jesus bleibt in den nächsten beiden Versen beim Thema Wiedergutmachung bzw. Aussöhnung:
Setze alles daran, dich noch auf dem Weg zum Gericht mit deinem Gegner zu einigen. Du könntest sonst verurteilt werden und in das Gefängnis kommen. Von dort wirst du nicht eher wieder herauskommen, bis du auch den letzten Pfennig deiner Schuld bezahlt hast.
Matthäus 5,25-26
Wenn jemand eine Forderung gegen mich hat, so soll ich nicht auf eine höhere Gerechtigkeit warten - weder auf ein irdisches noch auf ein göttliches Gericht - sondern von mir aus die Einigung, die Versöhnung suchen.
Seid niemand irgend etwas schuldig, als nur einander zu lieben! Denn wer den anderen liebt, hat das Gesetz erfüllt.
Römer 13,8
Wir sollen von uns aus Forderungen begleichen, Unrecht wieder gut machen, Versöhnung schaffen. Nur unsere Schuldigkeit zu lieben können wir nicht abbezahlen.
Bekennt nun einander die Sünden und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet! Viel vermag eines Gerechten Gebet in seiner Wirkung.
Jakobus 5,16
Das kann man im Sinn der Wiedergutmachung so verstehen:
Wenn ich gegenüber einem Mitchristen Schuld auf mich geladen habe, soll ich dieser Person die Sünde bekennen, und wir sollen füreinander beten. Gott wird dies für uns beide, besonders aber für mich, der ich gesündigt habe, zum Segen und zur seelisch-geistlichen, mitunter aber auch zur körperlichen Heilung mitwirken lassen.
Wir haben gesehen: Jedes begangene Unrecht ist grundsätzlich wieder gut zu machen.
Manchmal ist dies allerdings nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich bzw. sinnvoll. Hier braucht es (aus der menschlichen Perspektive) viel Augenmaß bzw. (aus der göttlichen Perspektive) Führung des Heiligen Geistes. Die Wiedergutmachung ist nicht Selbstzweck sondern zeigt die echte Reue - zuerst gegenüber Gott (weil jedes Unrecht in erster Linie Unrecht gegen ihn, den Schöpfer und Gesetzgeber ist) und als Folge gegenüber dem/den Geschädigten. Echte Reue, als Voraussetzung für Wiedergutmachung, Vergebung und Versöhnung, setzt jedoch Schulderkenntnis voraus. Wer keine Erkenntnis seiner eigenen Schuld hat oder diese nicht haben will, der zeigt auch keine Reue, wer keine Reue zeigt, dem kann auch nicht vergeben werden, weder bei den Menschen, noch bei Gott. Er bleibt dann in seine Schuld verstrickt.
Wiedergutmachung in der Praxis
Ich habe von einem Christen gehört, der Zollbeamter war. Er hat vor seiner Bekehrung gemeinsam mit seinen Kollegen Schwarzgeschäfte gemacht, d.h. er hat sich zu Unrecht bereichert. Als er sich bekehrte, war ihm klar, daß er nicht einfach darüber hinweggehen konnte, und so zeigte er sich selbst an - sehr zum Unmut seiner Kollegen.
Leitlinien
Die Geschichte soll nicht als Rezept gesehen werden, sondern zeigen, wie heikel die Wiedergutmachungs-Szenarien manchmal sind. Es braucht viel Weisheit. Folgende biblische Prinzipien können uns leiten:
- Wiedergutmachung ist von Gott gewollt und auf jeden Fall zu suchen. Dabei soll es so wenig wie möglich um die Schuld anderer (in das schuldhafte Verhalten mitverwickelter) Personen gehen.
- Es darf keine verkappte Selbstverteidigung sein ("Ich konnte ja nicht wissen ...", "Es war zwar nicht richtig von mir, aber du hast auch ...", "Soundso hat mich dazu angestiftet ...")
- Das Ziel der Wiedergutmachung ist es, der Person oder Gemeinschaft Gutes zu tun, der man Schaden zugefügt hat. Dabei muß es letzlich um die Ehre Gottes gehen und keinesfalls darum, sich selbst gut darzustellen oder gar andere anzuschwärzen.
- In Fällen, die nicht klar liegen, sollte der Rat einer geistlichen Vertrauensperson eingeholt werden.
- Die Führung Gottes wirkt oft in Verbindung mit Augenmaß und "Hausverstand" - besonders, wenn es um die Frage geht, bei wem in welcher Art Wiedergutmachung zu leisten ist:
Schuld, die niemandem auffällt
- Wenn ich an einer Gemeinschaft schuldig geworden bin, ohne daß sie es weiß, muß ich es zuerst Gott bekennen, und er wird mir vergeben, wenn ich es ehrlich meine und den Schaden mit seiner Hilfe wieder gutmachen möchte. Ich werde Gott bitten, mir die rechte Art zu zeigen, wie das geschehen kann. Wahrscheinlich wird es notwendig und auch ausreichend sein, zu Repräsentanten der Gemeinschaft zu gehen und ihnen die Schuld zu bekennen. Wenn diese meinen, daß ich es vor der ganzen Gemeinschaft bekennen soll, so wird das wohl der richtige Weg sein.
- Wenn ich an einem Menschen schuldig geworden bin, ohne daß er es weiß, hängt es von der Situation ab, ob ich es ihm bekennen muß. Jedenfalls werde ich zuerst Gott ins Reine kommen und ihn bitten, mir den Weg zur Wiedergutmachung zu zeigen. Er wird die geeignete Gelegenheit dazu geben, wenn es notwenig ist.
Vielleicht ist es aber nicht notwenig, Versöhnung zu suchen, weil der andere gar kein Problem mit mir hat. Wenn ich in Gedanken gegen einen Menschen gesündigt habe, reicht es im Normalfall, Gott um Verzeihung zu bitten, denn wenn ich zu dem Menschen hingehe, rühre ich vielleicht etwas auf, was für ihn bisher gar kein Problem war. Ganz besonders unklug wäre es z.B. wenn ich als Mann zu einer Frau gehe, und ihr bekenne, daß ich sie begehrt habe. Das ist mein persönliches Problem, das ich mit mir und mit Gott ins Reine bringen muß, aber ich darf nicht die Frau damit belasten. Anders sieht es natürlich aus, wenn ich die Frau belästigt habe.
Schlechtes Reden
Wenn A zu B etwas Schlechtes über C gesagt hat und es nun bereut und es wieder gutmachen will - wie soll er vorgehen? Soll er sich bei C entschuldigen? Ich denke, das hängt davon ab, ob A damit C etwas Gutes tut oder nicht. Aber A wird sicher gut daran tun, zu B zu gehen, und seine üble Nachrede zurückzunehmen. Damit tut er sowohl B als auch C etwas Gutes.
Beichte?
Ob ich meine Schuld vor Dritten zu bekennen habe, kann man nicht verallgemeinern. Es mag richtig und hilfreich sein, die eigenen Sünden einer geistlichen Vertrauensperson zu sagen - aber nicht, weil diese Person mir die Absolution erteilen kann oder eine Mittlerrolle zwischen mir und Gott einnimmt. Vielmehr können diese Gespräche mir helfen, geistlich stabil zu werden und nicht immer wieder in die gleiche Schuld zurückzufallen, und weil das Beten für einander mir zur Stärkung und Heilung dient (Jakobus 5,16).
Es geht also nicht um "Gewissenserleichterung um jeden Preis". Das Sprechen mit Gott, das Abgeben unserer Belastungen an Gott ist es, das das Gewissen erleichtert, nicht unsere Wiedergutmachungswerke oder die Absolution, die uns Menschen erteilen.
Als Christ bittet man Gott, dem zu vergeben, der einen verletzt hat, auch, wenn dieser gar nicht einsieht, dass er Vergebung nötig hat. Indem wir Gott bitten, anderen zu vergeben, obwohl diese möglicherweise meinen, gar keine Vergebung zu benötigen, folgen wir Jesus nach. Als er am Kreuz hing und schrie "Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!", da vergab nicht Jesus (als Mensch; Jesus war ganz Mensch und ganz Gott; als er dieses Gebet zu Gott, Seinem Vater, sprach, da war er ganz Mensch) Seinen Peinigern, sondern Er bat Gott ihnen zu vergeben. Er betete zu Seinem Vater, dass Er ihnen ihr mörderisches Handeln nicht zurechnen möge. Jesus konnte ihnen als Mensch keine Vergebung zusprechen, da sie keine verlangten - seine Mörder hatten mit hoher Wahrscheinlichkeit in keiner Weise ein Unrechtsbewusstsein. Somit konnten sie Jesus Christus nicht um Vergebung bitten. Voraussetzung für die Vergebung ist jedoch, dass der Schuldige seine Schuld erkennt und reumütig eingesteht, sowohl vor Gott als auch vor den Menschen. Geschieht dies, aus welchen Gründen auch immer, nicht, so können wir als Christen nur Gott bitten, dem anderen zu vergeben, wir selbst können es dem Schuldigen nicht zusprechen, denn er verlangt es nicht und hat keine Einsicht in seine Schuld. Wir können dem Schuldigen seine Schuld jedoch auch nicht zurechnen, denn Jesus Christus ist für genau diese Schuld am Kreuz gestorben - es ist unser Auftrag, die Schuld des anderen auf Jesus zu legen, dem allein das Recht des Gerichts zusteht. Gott hat in der ganzen Bibel immer wieder klar gemacht, dass Seine Vergebung für uns gerne gewährt wird, wenn wir uns Ihm zuwenden, das, was wir ohne Seine Zustimmung getan haben reumütig bekennen und um Vergebung bitten - dann wird Vergebung von Gott gewährt, denn Jesus Christus hat unsere Strafe am Kreuz auf sich genommen. Wer jedoch keine Buße tut, nicht umkehrt, kein Unrechtsbewusstsein hat, dem vergibt Gott auch nicht. Oftmals ist es - auch bei eingestandener Schuld - nicht einfach Vergebung zu üben, da man verletzt ist oder unverhofft mit einer vorher nicht durchdachten Situation konfrontiert wurde. Vergebung und Wiedergutmachung - Einem Menschen oder einer Gemeinschaft gegenüber die Schuld zu bekennen, ist eine Form von Wiedergutmachung. Im Alten Testament wurde die Wiedergutmachung durch Gesetze geregelt. Diese sind für uns heute zwar nicht mehr als Gesetze gültig wie damals für das Volk Israel, aber sie sagen doch viel darüber aus, wie Gott dieses Thema sieht: Zu einer echten Buße vor Gott gehört die Reue über die Sünde und die Wiedergutmachung gegenüber den geschädigten Menschen, soweit dies sinnvoll und möglich ist: Im Neuen Testament gibt es keine Gesetze über Wiedergutmachung, aber es gibt Vorbilder und Prinzipien: Jesus hatte das nicht von Zachäus gefordert, aber dieser hatte das Bedürfnis, wieder gutzumachen, was möglich ist - nicht um sich die Gunst Jesu zu verdienen, sondern als Reaktion auf die unverdiente Gunst, die Jesus ihm gezeigt hatte. Wer sich von Gott angenommen und seine Schuld vergeben weiß, der möchte sich mit Menschen versöhnen, denen er Unrecht getan hat. Wenn ein anderer Christ etwas gegen mich hat - in dem Sinn, daß ich ihm Unrecht getan habe, z.B. indem ich ihn beschimpft habe - dann soll ich umgehend Versöhnung suchen. Jesus sagt nicht, was genau zur Versöhnung notwendig ist. Das ist sehr situationspezifisch. Wichtig ist, daß das Ziel klar ist: Versöhnung. Jesus bleibt in den nächsten beiden Versen beim Thema Wiedergutmachung bzw. Aussöhnung: Wenn jemand eine Forderung gegen mich hat, so soll ich nicht auf eine höhere Gerechtigkeit warten - weder auf ein irdisches noch auf ein göttliches Gericht - sondern von mir aus die Einigung, die Versöhnung suchen. Wir sollen von uns aus Forderungen begleichen, Unrecht wieder gut machen, Versöhnung schaffen. Nur unsere Schuldigkeit zu lieben können wir nicht abbezahlen. Das kann man im Sinn der Wiedergutmachung so verstehen: Wenn ich gegenüber einem Mitchristen Schuld auf mich geladen habe, soll ich dieser Person die Sünde bekennen, und wir sollen füreinander beten. Gott wird dies für uns beide, besonders aber für mich, der ich gesündigt habe, zum Segen und zur seelisch-geistlichen, mitunter aber auch zur körperlichen Heilung mitwirken lassen. Wir haben gesehen: Jedes begangene Unrecht ist grundsätzlich wieder gut zu machen. Manchmal ist dies allerdings nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich bzw. sinnvoll. Hier braucht es (aus der menschlichen Perspektive) viel Augenmaß bzw. (aus der göttlichen Perspektive) Führung des Heiligen Geistes. Die Wiedergutmachung ist nicht Selbstzweck sondern - zuerst gegenüber Gott (weil jedes Unrecht in erster Linie Unrecht gegen ihn, den Schöpfer und Gesetzgeber ist) und als Folge gegenüber dem/den Geschädigten. Echte Reue, als Voraussetzung für Wiedergutmachung, Vergebung und Versöhnung, setzt jedoch Schulderkenntnis voraus. Wer keine Erkenntnis seiner eigenen Schuld hat oder diese nicht haben will, der zeigt auch keine Reue, wer keine Reue zeigt, dem kann auch nicht vergeben werden, weder bei den Menschen, noch bei Gott. Er bleibt dann in seine Schuld verstrickt. Ich habe von einem Christen gehört, der Zollbeamter war. Er hat vor seiner Bekehrung gemeinsam mit seinen Kollegen Schwarzgeschäfte gemacht, d.h. er hat sich zu Unrecht bereichert. Als er sich bekehrte, war ihm klar, daß er nicht einfach darüber hinweggehen konnte, und so zeigte er sich selbst an - sehr zum Unmut seiner Kollegen. Die Geschichte soll nicht als Rezept gesehen werden, sondern zeigen, wie heikel die Wiedergutmachungs-Szenarien manchmal sind. Es braucht viel Weisheit. Folgende biblische Prinzipien können uns leiten: - Wiedergutmachung ist von Gott gewollt und auf jeden Fall zu suchen. Dabei soll es so wenig wie möglich um die Schuld anderer (in das schuldhafte Verhalten mitverwickelter) Personen gehen. - Es darf keine verkappte Selbstverteidigung sein ("Ich konnte ja nicht wissen ...", "Es war zwar nicht richtig von mir, aber du hast auch ...", "Soundso hat mich dazu angestiftet ...") - Das Ziel der Wiedergutmachung ist es, der Person oder Gemeinschaft Gutes zu tun, der man Schaden zugefügt hat. Dabei muß es letzlich um die Ehre Gottes gehen und keinesfalls darum, sich selbst gut darzustellen oder gar andere anzuschwärzen. - In Fällen, die nicht klar liegen, sollte der Rat einer geistlichen Vertrauensperson eingeholt werden. - Die Führung Gottes wirkt oft in Verbindung mit Augenmaß und "Hausverstand" - besonders, wenn es um die Frage geht, bei wem in welcher Art Wiedergutmachung zu leisten ist: - Wenn ich an einer Gemeinschaft schuldig geworden bin, ohne daß sie es weiß, muß ich es zuerst Gott bekennen, und er wird mir vergeben, wenn ich es ehrlich meine und den Schaden mit seiner Hilfe wieder gutmachen möchte. Ich werde Gott bitten, mir die rechte Art zu zeigen, wie das geschehen kann. Wahrscheinlich wird es notwendig und auch ausreichend sein, zu Repräsentanten der Gemeinschaft zu gehen und ihnen die Schuld zu bekennen. Wenn diese meinen, daß ich es vor der ganzen Gemeinschaft bekennen soll, so wird das wohl der richtige Weg sein. - Wenn ich an einem Menschen schuldig geworden bin, ohne daß er es weiß, hängt es von der Situation ab, ob ich es ihm bekennen muß. Jedenfalls werde ich zuerst Gott ins Reine kommen und ihn bitten, mir den Weg zur Wiedergutmachung zu zeigen. Er wird die geeignete Gelegenheit dazu geben, wenn es notwenig ist. Vielleicht ist es aber nicht notwenig, Versöhnung zu suchen, weil der andere gar kein Problem mit mir hat. Wenn ich in Gedanken gegen einen Menschen gesündigt habe, reicht es im Normalfall, Gott um Verzeihung zu bitten, denn wenn ich zu dem Menschen hingehe, rühre ich vielleicht etwas auf, was für ihn bisher gar kein Problem war. Ganz besonders unklug wäre es z.B. wenn ich als Mann zu einer Frau gehe, und ihr bekenne, daß ich sie begehrt habe. Das ist mein persönliches Problem, das ich mit mir und mit Gott ins Reine bringen muß, aber ich darf nicht die Frau damit belasten. Anders sieht es natürlich aus, wenn ich die Frau belästigt habe. Wenn A zu B etwas Schlechtes über C gesagt hat und es nun bereut und es wieder gutmachen will - wie soll er vorgehen? Soll er sich bei C entschuldigen? Ich denke, das hängt davon ab, ob A damit C etwas Gutes tut oder nicht. Aber A wird sicher gut daran tun, zu B zu gehen, und seine üble Nachrede zurückzunehmen. Damit tut er sowohl B als auch C etwas Gutes. Ob ich meine Schuld vor Dritten zu bekennen habe, kann man nicht verallgemeinern. Es mag richtig und hilfreich sein, die eigenen Sünden einer geistlichen Vertrauensperson zu sagen - aber nicht, weil diese Person mir die Absolution erteilen kann oder eine Mittlerrolle zwischen mir und Gott einnimmt. Vielmehr können diese Gespräche mir helfen, geistlich stabil zu werden und nicht immer wieder in die gleiche Schuld zurückzufallen, und weil das Beten für einander mir zur Stärkung und Heilung dient (Jakobus 5,16). Es geht also nicht um "Gewissenserleichterung um jeden Preis". Das Sprechen mit Gott, das Abgeben unserer Belastungen an Gott ist es, das das Gewissen erleichtert, nicht unsere Wiedergutmachungswerke oder die Absolution, die uns Menschen erteilen.
 
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